Tasting-Note: Convalmore dest. 1978 Rare Malt Selection (24 Jahre) Cask Strength
10. Juli 2011Der Besuch im Lokal Eselsmühle bei Fürth ergab die Gelegenheit, einen seltenen Speyside-Whisky zu probieren – Convalmore gibt es seit 1985 nicht mehr, auch existieren nur wenige Destillerie-Abfüllungen. Auf der Karte ein 24 Jahre alter, 2003 abgefüllter Whisky von 1978, Faßstärke, erschienen in der “Rare Malts” Reihe.
Und der Convalmore hält, was die Herkunft Speyside verspricht. Mit ein wenig Wasser ein blumig, frisches Nosing, im Geschmack Honig, Blüten, fast eine Frühlingswiese, etwas Karamell. Das ganze leicht, aber vollmundig. Und bleibt als Aroma auch sehr lange im Mund erhalten. Die Zugabe von Wasser verändert den Charakter nur wenig.
Danke Ilse!
Riesengroße Klappe
3. Juli 2011Nach einem Bericht von SPON kotzt läßt sich Daimlerchef Zetsche in der Bild am Sonntag kräftig über die Politik der Bundesregierung aus. Zur Atomwende sagt er besserwisserisch:
“In einem Unternehmen wie Daimler würde über eine solche Weichenstellung nur in voller Kenntnis der Alternativen entschieden werden. Sonst können wir keine fundierte Entscheidung treffen. Das habe ich beim Thema Energiewende aber noch nicht gesehen. Es ist nicht auszuschließen, dass es funktioniert, wir wissen es aber noch nicht wirklich.”
Das behauptet also der Chef des Unternehmens, das mit der Fusion DainlerChrysler die wohl sensationellste Industriebauchlandung der letzten Jahrzehnte hingelegt hat, die viele Aktionäre viel Geld gekostet hat. Wie viel Überheblichkeit kann sich ein solches Unternehmen anderen gegenüber noch leisten?
Fehler in der Matrix
25. April 2011Ein Deja Vu ist bekanntlich ein Hinweis auf einen Programmierfehler in der Matrix. Wer sich viel mit Medien beschäftigt, der hat häufig Deja Vus, was micht dann entweder an meiner Zurechnungsfähigkeit, der Zurechnungsfähigkeit anderer oder an den Programmierern unserer Wirklichkeit zweifeln läßt. Jetzt ist es wieder soweit: Spiegel online mit einem Artikel zum Comeback der Tante-Emma-Läden:
“Totgesagte leben länger: Zuletzt machten viele kleine Läden in Dörfern und wenig bewohnten Stadtteilen dicht. Doch weil es sich ohne Nahversorgung und Gemeindeleben schlecht aushalten lässt, stehen die Tante-Emma-Läden vor einem furiosen Comeback – unter dem “Dorv”-Prinzip.”
Toll!
Schon wieder!
SPON-Artikel ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Spiegel 46/2004: Tante Emma kommt zurück
8.9.2007: Comeback für Tante Emma um die Ecke
3.11.2009: Comeback der Dorfläden Provinz probt die Tante-Emma-Revolution
Prognoes: Spätestens 2013 kehrt Tante Emma das nächste Mal zurück …
Reflections 1
15. März 2011Die Ereignisse in Japan machen deutlich, wie sehr das Internet und alle damit verbundenen Medien die Wahrnehmung von Ereignissen verändert haben. Und offenbaren die erstaunliche Tatsache, dass offensichtlich das Leben und selbst Katastrophen wie die rund um die AKWs im Japans Nordosten für die modernen Kommunikationswege “zu langsam” ablaufen. Während das Netz bereit ist, im sekundentakt “Neues” zu verarbeiten, zu transportieren, kommentieren, mit weiteren Informationen anzureichern, passiert in Wirklichkeit nicht in jeder Sekunde etwas Neues. Tatsächlich entwickeln sich die Dinge, überraschenderweise, eher im Takt von Sondersendungen im TV, alle paar Stunden ein neuer Informationsbrocken. Das sorgt natürlich für Frustration auf Empfängerseite, wenn einfach nicht genug an harten Fakten zur Verfügung steht, um die Timeline zu füllen. Diese “Leere” wird dann wettgemacht durch “Meinungsäußerung” und sonstige Füllmasse, mal anregender, mal abtörnender Natur.
Und auch das Internet hat nichts daran geändert, dass man zunächst einmal nur als Beobachter hilflos dabeistehen kann.
In dieser speziellen Situation spielt natürlich auch eine Rolle, dass es nur ganz wenige Quellen gibt, auf die man sich derzeit verlassen kann und muss: die japanische Regierung und der Kraftwerksbetreiber. Es gibt keine weiteren Beobachter vor Ort, Fernsehbilder ersetzen nicht die Expertise von Dritten und unabhängige Messungen von Radioaktivität ist ebenfalls nicht möglich. Es ist dieser Flaschenhals, der Japan etwa von den Geschehnissen in Ägypten oder Tunesien unterscheidet, wo die Zahl der Quellen deutlich zugenommen hat. Aber selbst die Existenz weiterer Informationsquellen würde nichts daran ändern, dass wir erst viel später erfahren werden, was in den Reaktorkammern in Japan zu welchem Zeitpunkt stattgefunden hat. Auch die Primärquellen sind auf Vermutungen und Hochrechnungen angewiesen, denn die Sensoren in den Reaktoren dürften kaum noch Informationen über deren Zustand liefern, wenn sie denn die Wasserstoffexplosionen überstanden haben.
Faszinierende Entdeckung der Langsamkeit in Zeiten der Beschleunigung …
Bullshitbingo II – Komplexe
18. Februar 2011Okay, es geht noch beknackter, man soll es ja nicht glauben. Übrigens ignorieren die Versender wohl meine Bitten, von diesem Zeug verschont zu bleiben. Na dann: ganz schön komplex, oder?
Die PREMIUM_bs Guppe bündelte bisher die Einzelmarken theBScompany, bullshit.group, Bullshit Communication, Bullshit Systems, Bullshit1company und Bullshit2company. Um die Stärke dieser Einzelmarken transparenter zu machen und komplexe Aufgaben im Verbund zu erfüllen, firmiert das Unternehmen jetzt unter der Dachmarke BigBull. Damit setzt das Unternehmen, das im letzten Jahr den Umsatz von 164 Millionen Euro auf 180 Millionen Euro steigern und einen zweistelligen EBITDA erzielen konnte, seine seit 2002 bestehende Erfolgsgeschichte weiter fort. Die Call Center World, die ab kommenden Montag in Berlin stattfindet, nutzt BigBull, um sich Kunden, Partnern und der Öffentlichkeit unter dem neuen Namen vorzustellen.
Aufgrund seiner Größe und Marktanteile zählt BigBull zu den drei größten Kommunikationsdienstleistern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Leistungsspektrum der BigBull bildet alle Formen des Kundenservices ab: Dazugehören im Inbound-Betrieb alle Themen rund um Information, Beratung sowieSecond-Level Helpdesk. Im Outbound-Betrieb reicht das Dienstleistungsspektrum von Leadqualifizierung über Cross- und Upselling bis zu Aftersales-Betreuung und Außendienstunterstützung. In Ergänzung zu der Kernkompetenz im Bereich Callcenter bietet BigBull darüber hinaus weitere integrierte Serviceleistungen an. An 14 Standorten in Deutschland und in der Schweiz werden komplexe Projekte für Kunden umgesetzt, branchenspezifisch und multilingual.
„Durch die Umstellung auf eine einzige Marke wird für unsere Kunden noch klarer, welches umfassende Leistungsspektrum sie bei uns abrufen können und welche Serviceoptionen sich für sie in der Wertschöpfungskette ergeben, und das ganz ohne Reibungsverluste. Damit folgen wir dem Prinzip: one face to the customer“, fasst Marcus M., CEO von BigBull, die Vorteile der Markenumstellung zusammen.
Weiterer Ausbau von Services mit hohem Komplexitätsgrad
BigBull spricht „mit einer einzigen Stimme, aber jeweils in kundeneigenen Tonarten“ (Marcus M.) zu seinen Klienten, die aus einer Vielzahl von Branchen kommen. Das Spektrum reicht von Banken und Versicherungen über Telekommunikations- und Medienunternehmen bis hin zu Energiewirtschaft, Handel und Gesundheitswesen. „Wir werden in diesen Schwerpunkt-Branchen unsere Position und unser Portfolio weiter entwickeln“, erklärt Albert K., Vorsitzender der Geschäftsleitung BigBull Deutschland. Dabei geht es nach seinen Worten in erster Linie um den weiteren Ausbau von Services mit einem hohen Komplexitätsgrad. Aber auch neue Dienstleistungen sind unter dem einheitlichen Markendach geplant, beispielsweise im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen.
Kundennähe als oberste Maxime
BigBull realisiert diese umfassenden Serviceleistungen zwar unter einer Marke, aber durch regional und funktional spezialisierte Einheiten, und kann so auf die unterschiedlichen Kundenwünsche individuell eingehen. Mit der neuen einheitlichen Markenstrategie bündelt das Unternehmen sein Know-how in neuen Organisationseinheiten wie BigBull-health care oder -finance. Dazu gehört beispielsweise ein Account-Management-Team, das nicht nur der erste Ansprechpartner für die strategischen Kunden ist, sondern vor allem auch die Kunden bei der Identifizierung neuer Wertschöpfungspotenziale berät. „BigBull wird – wie schon bisher – die Kundennähe als oberste Maxime haben. Durch die Markenumstellung werden wir diese Maxime aber sehr viel deutlicher kommunizieren können“, ist sich CEO Marcus M. sicher.
Und sicher wird es spannend zu sehen sein, welche Fachmedien dieses Zeug auch noch mehr oder weniger 1:1 in die Welt posaunen.
Ich geb auf, Ihr habt gewonnen …
Recherchefreie Zone (2)
8. Dezember 2010Es ist traurig um die Qualität des Medienjournalismus bestellt, wenn Rüdiger Suchsland behaupten kann
“50 Prozent aller Rundfunk-Gebühren entfallen zur Zeit allein auf Zahlung der Rentenbezüge ehemaliger Angestellter, nicht etwa auf Programminhalte oder wenigstens auf Gehaltzahlungen für die aktiv Beschäftigten. Dies verlautete natürlich nicht in einer offiziellen Pressemitteilung. Vielmehr kommt diese Information aus den zweifellos gut unterrichteten Kreisen der Chefetage eines großen öffentlichen Senders.”
Und im Jammertonfall draufsetzt
“Solche Informationen sind bislang nicht öffentlich. Warum eigentlich? Gibt es kein Recht auf Transparenz bei der Verwendung von Rundfunkgebühren – ähnlich wie die Bürger das Recht haben zu erfahren, was mit den Steuergeldern passiert?”
Guckstu:
http://kef-online.de/inhalte/bericht17/viertes_2_2.html
Die KEF veröffentlicht nämlich in riesigem Umfang das Zahlenwerk der ÖR-Rundfunkanstalten.
Die Tabelle 30 verrät den “Netto-Aufwand für die Altersversorgung 2005-2012″ in Höhe von 2,48 Mrd. bei der ARD, 680 Mio beim ZDF, 67 Mio. beim Deutschlandradio.
Macht pro Jahr ca. 403 Mio. für alle Anstalten.
Laut
http://kef-online.de/inhalte/bericht17/zweites.html#3
betragen die Gesamterlöse der Rundfunkanstalten (im Wesentlichen Gebühren, aber auch Werbe- und Lizenzeinnahmen) für 2009 (Plan) rund 8,2 Mrd. Euro.
Dass also 50% der Gebühren als Altersversorgung draufgehen – dafür gibt es nicht dem leisesten Anhaltspunkt.
Es gab mal Zeiten, da haben Journalisten versucht, den “gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen” hinterherzurecherchieren. Im Zeitalter des Internet (und Telepolis ist ja das Magazin für Netzkultur)ist das so einfach wie nie zuvor. Insgesamt kann aber gerade der Medien/Meinungsjournalismus als recherchefreie Zone gelten.
Kleinkram
6. Dezember 2010Manchmal sind es ganz kurze Absätze in Zeitungsartikeln, bei denen man denkt: wow, das wußte ich gar nicht. Das ist ja unglaublich. Wahnsinn.
Ein solcher steht heute im Artikel von Evelyn Roll zum deutschen Gesundheitssystem bzw. zum Leiden der Ärzte an demselben auf Seite 3 der Süddeutschen. Da heißt es:
Sie haben in diesem Land, in dem es mehr Krankenkassen-Angestellte gibt als Ärzte, Pressekonferenzen gemacht …
Wow. Mehr Krankenkassenangestellte als Ärzte. Das ist ja unglaublich. Wahnsinn.
Okay, Einsatz Internet.
Auf der Webseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt es die Zahl der Ärzte, genauer der “An der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte”. Das sind 137.416 (S. 3, Stand 31.12.2009). Geht es nach dieser Grafik, dann gibt es inklusive Psychotherapeuten etc. 153.895 Ärzte (alle Mitglieder der KBV).
Das war ja einfach.
Kommen wir zur zahl der Krankenkassenmitarbeiter. Die ist noch leichter zu finden, dank der Statistik auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums. (S.7, Stand 30.6.2009). Beschäftigte im engeren Sinne: 129.036. Mit “Personal im Sozialdienst” und “Wirtschaftspersonal” und weiteren, inkl. Zivis: 132.706.
Das war auch einfach.
Fazit kurz und knapp: Es gibt in Deutschland nicht mehr Angestellte in den Krankenkassen als Ärzte.
Und jetzt soll ich noch die vielen anderen Zahlen und Daten aus dem Artikel glauben?
BullshitBingo
6. Dezember 2010Pressemeldungen aus der Verdammnis, Bullshitbingo auf plattestem Niveau, dazu die E-Mail-Adresse mal eingekauft und einfach zugespammt. Manchmal kann man nicht so viel essen wie man …
„TÜV-Plakette“ für hundertprozentige Servicequalität
Buillshitbingo* GmbH erhält Bestnoten bei ISO-9001-Rezertifizierung und Qualitätssiegel
Berlin, 6. Dezember 2010. Im Fußball würde man es einen Hattrick nennen: zum dritten Mal hat die Bullshitbingo GmbH in Berlin das Qualitätssiegel des TÜV Nord mit der absoluten Bestnote erhalten. In allen Prüffeldern bekam das Unternehmen die höchste Punktzahl, insgesamt also ein hundertprozentiges Ergebnis. Auch beim Überwachungsaudit nach ISO 9001:2008 wurde dem Call- und Servicecenter-Betreiber aus Berlin bestätigt, dass er die geforderten Standards hundertprozentig erfüllt. „Das ist wirklich ein ausgesprochen gutes Ergebnis, das die Ausnahmestellung der Bullshitbingo GmbH in Berlin bei den Call- und Service-Centern im deutschsprachigen Bereich einmal mehr deutlich macht“, freut sich … , Leiterin Qualitätsmanagement.
Da Stillstand meist Rückschritt bedeutet, hat die Bullshitbingo GmbH im gerade zu Ende gehenden Jahr nicht nur die Vertriebsstrategie neu konzipiert, sondern auch diverse Organisationsprozesse neu gestaltet. So wurden bei der Qualitätssicherung die Bereiche Messung, Entwicklung und Sicherstellung der Ergebnisqualität im Kundenkontakt weiter optimiert.
Die Kunden der Bullshitbingo GmbH kommen aus einer Vielzahl von Branchen. Das Spektrum reicht von Banken und Versicherungen über Telekommunikations- und Medienunternehmen bis hin zur Energiewirtschaft und zum Gesundheitswesen. In Zukunft wird auch noch der Handel hinzukommen. Die Leistungen umfassen im Inbound-Betrieb sowohl Informationen als auch Beratung sowie Helpline im First- und Second-Level. Im Outbound-Betrieb reicht das Dienstleistungsspektrum von Leadqualifizierung über Cross- und Upselling bis zu Aftersales-Betreuung und Außendienstunterstützung.
Das breit angelegte Leistungsspektrum zeigt deutlich, welche wichtige Rolle die Bullshitbingo GmbH im Geschäftsablauf des jeweiligen Kunden spielt. „Daraus ergibt sich für uns die große Aufgabe, unseren Kunden jeden Tag Spitzenqualität abzuliefern“, sagt … . Regelmäßig erneuerte Zertifizierungen und Qualitätssiegel seien in diesem Zusammenhang ein wichtiger Teil des Qualitätsmanagements.
*Der Name des Unternehmens wurde geändert.
Geschaut
1. November 2010Kurz mal wieder ein Hinweis auf Gesehenes:
PERCY JACKSON DIEBE IM OLYMP -tja, größtenteils harmlos, muss man sagen. Eine nette “Harry-Potter-Variante” (Junge entdeckt, dass er etwas Besonderes ist) aberauch nicht mehr. Das Duell mit der Medusa hat was, teilweise schöne Ideen, ansprechend umgesetzt, aber nicht VomHockerhauend.
Interessanter: EVERYBODY’S FINE mit Robert De Niro. Klarer Fall: die Geschichte vom verwitweten Vater, der feststellen muss, das ein Großteil dessen, was er für das Leben seiner Kinder hielt eine Lüge ist, und somit auch seine Vita aus Selbstbetrug besteht – das ist nicht wirklich rasend neu. Man denke an ABOUT SCHMIDT und Jack Nicholson. Und Menschen, die auf einen Roadtrip gehen, um dem Leben wieder Sinn zu geben, kennt man auch DAS BESTE KOMMT ZUM SCHLUSS.
Aber EVERYBODY’S FINE hat einen ganz eigenen Charme. Der Witwer Frank Goode hat sich nach dem Tod seiner Frau zuhause eingerichtet, dass er mit ihr noch spricht, mag er keinem zu verraten. Nach außen ist er tough und hart, etwa wenn er akurat eine BBQ-Party für seine vier Kinder vorbereitet, die allesamt weit, weit weg vom ordentlichen Heim wohnen. Dass er gesundheitlich angeschlagen ist, und die Einsamkeit ihn quält, das läßt er nicht nach draußen dringen. Doch als alle vier den gemeinsamen Grillabend absagen, gerät das wohlgeordnete ins Straucheln, und Goode realisiert, dass er direkt nie etwas mit dem Leben seiner erwachsenen Kinder zu tun hatte – rief eines an, dann führte ihre Mutter das Gespräch.
So macht sich Goode auf die Reise. Zuerst nach New York, wo er seinen Sohn David besuchen will. Für jedes Kind hat er einen Brief dabei. Doch seinen Sohn, den Künstler, trifft er nicht an. Es geht weiter zu Amy (Kate Beckinsale), die erfolgreiche Werbeagenturchefin und ihrem Sohn, doch das vorgespielte Familienidyll hat Risse – und Goode ist nicht so dämlich, dass er das nicht merken würde. Er entwickelt eine Gespür für die Scheinwelten, die seine Kinder für ihn aufbauen, und er sieht sogar allmählich seine Verantwortung für das Auseinanderfallen von Schein und Sein. War er immer überzeugt, ein strenger, aber guter Vater gewesen zu sein, so führt ihn diese Reise auf den Weg der Erkenntnis.
Das ist, das fällt zuerst auf, eine Paraderolle für De Niro. Das wirklich Schöne ist: der Schauspieler tritt hinter seiner Figur zurück, er übertreibt nicht, er chargiert nicht – man vergisst manchmal, dass es De Niro ist (bei Nicholson weiß man immer, dass es Nicholson ist). Das ist – beeindruckend. Es sind kleine Veränderungen in der Mimik, die erkennen lassen, wenn in Goode gerade ein Erkenntnisprozess angelaufen ist oder er hinter die Fassade geblickt hat. Das Spiel ist – leise, unaufgeregt, unauffällig. Auch wenn das Drehbuch im Großen und Ganzen den Rahmen des Erwartbaren nicht sprengt, inklusive Tränendrückerei, so sieht man dem Ganzen doch sehr gerne zu.
Und was als zweites auffällt: dieser Film wurde weniger gefilmt als – und da ist die amerikanische Bezeichnung nunmal treffender – fotografiert. Wunderschöne Bildkompositionen aus dem amerikanischen Alltag, Bilder zum “nochmalschauen”. Großes Kino in diesen beiden Beziehungen – mit einem noch etwas pfiffigeren und überraschenden Drehbuch hätte das ein Klassiker werden können. So ist es immerhin – ein guter Film!